Gerontologische Übergänge

Die von vielen herbeigesehnte Rückkehr zu einem Normalzustand, wie er vor der Pandemie definiert wurde, liegt in weiter Ferne. Die Übergangsphase zieht sich in die Länge oder wird gar zum Dauerzustand.
Übergänge sind auch in gerontologischen Kontexten dauerpräsent, denken wir an die Pensionierung, den Heimeintritt oder an das Älterwerden an sich.

Formen von Übergängen

Stand: 20. August 2020

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Literaturtipps

 

Pensionierung - Zäsur oder fliessender Übergang?

«Lebenslange Beschäftigungsfähigkeit» und «Neustart», Schlagworte, die heutzutage in Zusammenhang mit der Pensionierung verwendet werden, stellen deren Bedeutung als eindeutige Zäsur infrage. Wie uns der Blick in den Bibliothekskatalog zeigt, ist aber schon seit einigen Jahrzehnten bekannt, dass die Pensionierung als fliessender Übergang gestaltbar ist, sei es durch gute Vorbereitung oder flexiblen Altersrücktritt. Der ironisch gemeinte Begriff «Unruhestand», der eine aktive Gestaltung der nachberuflichen Phase – wenn auch noch ohne sozialpolitische Implikationen im Sinn des «active ageing» – propagiert, erscheint erstmals 1980.
In den fünfziger Jahren dominierte noch die Vorstellung, dass nach dem Erreichen des Rentenalters eine weitgehend passive Lebensphase beginnt («Der Übergang in den Ruhestand», «Lebensabend»). Mit der kurz davor eingeführten AHV wurde zwar die Pensionierung und das Rentenalter erst richtig definiert, jedoch war mit deren Bezug - ähnlich wie heute - nicht zwingend ein Liegenlassen der Arbeit verbunden. Die Gründe für ein Weiterarbeiten waren allerdings anderer Natur: Zu oft reichte die Rente nicht zur Existenzsicherung («Eine Jahrhundertgeschichte").

Demografische Alterung – eine Übergangserscheinung?

Ein Aufsatz aus unserem historischen Bestand, der auf andere Weise die Übergangsthematik aufgreift, darf sowohl als ein Kuriosum wie als ein Juwel betrachtet werden. Die Kuriosität zeigt sich im Titel des vom Schweizer Soziologen Franz-Xaver Kaufmann 1964 verfassten Beitrags: «Das demographische Altern – eine Übergangserscheinung». Über fünfzig Jahre nach der Veröffentlichung des Aufsatzes wissen wir, dass die demografische Alterung präsenter ist denn je. Und auch der vielfach honorierte und inzwischen 88-jährige Sozialwissenschaftler anerkennt selbstverständlich die heutige Brisanz des Themas, etwa als Herausgeber des Sammelwerks «Die demografische Zeitbombe: Fakten und Folgen des Geburtendefizits».
Zum Juwel wird das besagte Werk, abgesehen von den fundierten Analysen, dadurch, dass es uns bewusst macht, dass Phänomene wie die gesellschaftliche Alterung, die erst heute in der breiten Öffentlichkeit angekommen sind, schon lange in Expertenkreisen diskutiert wurden. So lasse sich «spätestens seit 1920 eine kontinuierliche Zunahme der Alten nachweisen». Und auch Schlagworte, die noch heute en vogue sind, tauchen in den zitierten Titeln wie «Vorherrschaft der Alten» (1940) oder «Die Überalterung» (1960) bereits auf – und werden auch schon widerlegt oder präzisiert («Unterjüngung»).

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